Leserbrief BNN, RICHTFEST AM KIT CAMPUS 21. Mai 2019


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Sehr geehrte Damen und Herren, hiermit bitte ich um Abdruck meines Leserbriefes zu:
BNN, Ausgabe Hardt, RICHTFEST AM KIT CAMPUS NORD Symbol für ein funktionierendes Europa, 21. Mai 2019

Zu der Aussage von Herrn André Baumann (Grüne), Staatssekretär im baden-württembergischen Umweltministerium bzw. zum Bekenntnis zum JRC:„Anwendungsorientierte Forschung lehnen wir ab. Und damit auch explizit Entwicklungsarbeit für und an neuen Reaktoren“, gibt es wohl noch ein Informationsproblem, denn es findet tatsächlich die sehr spezifische Forschung an und für neue Atomreaktoren und deren Brennstoffen statt.

Dazu gehört der Flüssigsalzreaktor des EU-Projektes SAMOFAR, dessen Brisanz und Gefährlichkeit allgemein wenig bekannt ist und an dem auch JRC und KIT beteiligt sind.
Generell gilt, dass ein großer Teil der als ’Sicherheitsforschung’ deklarierten Arbeiten in Wirklichkeit Entwicklungsforschung von atomaren Hochrisikotechnologien ermöglicht.

Mit SAMOFAR sollen mit Thorium betriebene Atomreaktoren erforscht werden, die zur künftigen ‚Vierten Generation‘ gehören. Ihr atomarer Brennstoff ist in flüssigem Salz gelöst und sie verfügen über eine integrierte Wiederaufarbeitungsanlage. Im laufenden Betrieb dieses Reaktortyps muss über einen Zwischenschritt aus dem flüssigen Brennstoff das für Atomwaffen geeignete Uran 233 entnommen werden, damit die Kettenreaktion aufrechterhalten werden kann. Pro Jahr fallen 150 kg spaltbares Material an, das für 7 Atombomben des Gun-Typs (= 1. Atombombe auf Hirsohima) geeignet ist.

Wie kann es sein, dass im Atom-Ausstiegsland Deutschland an Technologien geforscht wird, die atomare Massenvernichtungswaffen ermöglichen? Nicht auszudenken, was passiert, wenn dieses Reaktorkonzept in die Hände von instabilen Staaten oder Terroristen gelangt. Die Entwicklung kleiner modularer Thoriumreaktoren (SMR: Small Modular Reactor), die in hohen Stückzahlen gebaut und weltweit vertrieben werden sollen, potenziert diese Gefahr.

Das SAMOFAR-Projekt sollte unter keinen Umständen über die Ablauffrist von Ende Juli 2019 hinaus verlängert werden, KIT und JRC Karlsruhe (vormals ITU, Institut für Transurane) müssen ihre Beteiligung daran einstellen.

Über einen Abdruck in den BNN würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank im voraus

Mit freundlichen Grüßen

Wolfgang Oberacker


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Dieser Artikel wurde am Dienstag, 11. Juni 2019 im Shop aufgenommen.

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