Rede von Harry Block vor dem KIT 25.5.2018


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Rede von Harry Block anl├Ąsslich des Staffellaufs gegen R├╝stungsexporte "Frieden geht" vor dem KIT (Karlsruher Institut f├╝r Technologie Nord) am 25.5.2018


Liebe Friedensfreudinnen, liebe Friedensfreunde,
willkommen am Karlsruher Institut f├╝r Technologie Nord. Fr├╝her hie├č diese gr├Â├čte Forschungseinrichtung Deutschlands "Kernforschungszentrum Karlsruhe". Rund 7500 Menschen arbeiten und forschen hier. Es beherbergt auch das gr├Â├čte oberirdische Zwischenlager f├╝r mittel- und schwachaktiven Atomm├╝ll mit 80.000 F├Ąssern, von denen viele schon verrostet sind. Derzeit wird ein Erweiterungslager durch die gr├Â├čte deutsche Abrissfirma der Kerntechnische Entsorgung Karlsruhe (KTE), eine Tochter des Entsorgungswerks f├╝r Nuklearanlagen (EWN), in Greifswald gebaut, die mit rund 650 Mitarbeitern die Altlasten beseitigen sollen. Kosten: schon heute mehr als 2 Milliarden.
Die Gr├╝ndung des Zentrums 1956 erfolgte durch den damaligen Atomminister Strau├č
und hatte nur einen Grund. Deutschland sollte zu den f├╝hrenden Weltnationen wieder dazugeh├Âren. Das geht nur mit dem Wissen und dem K├Ânnen zum Bau einer Atombombe. Der Erbauer zweier Reaktoren, die hier stehen, war Prof. Wirtz. Er war einer der Wissenschaftler, die am Haigerlocher Uranprojekt f├╝r den Bau der Bombe f├╝r Hitler arbeitete und dann in Los Alamos mit Teller an der Weiterentwicklung der Atombombe zur Wasserstoffbombe mithalf.
Hier stehen aber auch noch ein Schneller Br├╝ter, eine Wiederaufarbeitungsanlage, hei├če 1
Zellen und ein Tritiumlabor. Sie waren ├╝ber Jahrzehnte in Betrieb. Die hei├čen Zellen und das Tritiumlabor sind es immer noch. Also hier gab es alles, was man f├╝r den Bau einer Bombe brauchte ÔÇô ein potentielles Atomwaffenzentrum, wie es die damaligen noch sehr kritischen Karlsruher Gr├╝nen nannten. Das Zentrum unterliegt bis heute der Zivilklausel. Diese verbietet eigentlich jegliche milit├Ąrische Forschung. Die Janusk├Âpfigkeit dieses Zentrums wie auch jeder Forschung, aber vor allem der Atom- und Fusionsforschung, liegen in der Doppelb├Âdigkeit der Ergebnisse, dem sogenannten "Dual Use"-Charakter: Ein Messer kann ein Werkzeug oder eine Waffe sein.
Unter dem Oberbegriff Sicherheits- oder Entwicklungsforschung kann man sowohl zivil als auch milit├Ąrisch forschen. Zudem gibt man im Bereich Atom immer Handhabungs- und Entwicklungswissen weiter. Diese sogenannte Proliferation war es, weshalb dieses Zentrum ├╝ber Jahrzehnte auf der schwarzen Liste der USA stand: Kein Computerprogramm oder technisches Teil wurde an das Zentrum geliefert. So stark waren die Vorw├╝rfe, dass Brasilien, S├╝dafrika, Pakistan, Indien und auch Israel am Bau ihrer Atombomben wissens- und ausbildungsm├Ą├čig unterst├╝tzt wurden. Der in Karlsruhe ans├Ąssige Atomkraftwerkebauer Siemens hatte hier seine kostenlose Au├čenstelle f├╝r ihren Atomkraftwerkssektor, den sie auch in den Iran lieferten.
Heute sieht es so aus: Man gibt sich im Energiebereich einen regenerativen Touch. Greenwashing. Der gr├Â├čte Teil des Geldes und der Manpower liegen aber in zwei Instituten:
das Institut f├╝r Kern- und Energietechnik (IKET besch├Ąftigt sich u.a. mit Atomkraftwerks- konzepten der "vierten Generation" sowie Strategien zur Transmutation. Dies l├Ąuft alles unter dem Oberbegriff "Reaktorsicherheitsforschung f├╝r die 4. Generation", zu der auch der Typ des Kleinen Modularen Reaktors (SMR) geh├Ârt.
Aufgrund der bundesweit einmaligen Sondersituation der Fusion von Gro├čforschungs- einrichtung und Universit├Ąt entstehen hier eine ganze Reihe von un├╝bersichtlichen Grauzonen: Sie betreffen die Zusammenarbeit mit anderen Atominstituten wie auch die Ergebnisse der Forschung. Einige dieser Grauzonen werden gezielt und strategisch genutzt, um die Weiterentwicklung und dann Kommerzialisierung der Atomenergie in Sachen
Ř. Generation" voranzutreiben und damit gewollt oder ungewollt auch milit├Ąrisch nutzbare Dual-Use-Technologie im internationalen Rahmen zu erm├Âglichen ÔÇô trotz Zivilklausel. Der Garant f├╝r diese Weiterf├╝hrung der Atomtechnologie ist der Oberboss aller Institute:
Dr. Knebel, ein nach wie vor absoluter Bef├╝rworter der Atomtechnologie.
"Dual Use" will ich an einem Beispiel versuchen zu erkl├Ąren:
Das Fl├╝ssigmetalllabor KALLA arbeitet an Fl├╝ssigmetalltechnologien. Fl├╝ssigmetallk├╝hlung kann eingesetzt werden zur K├╝hlung von neuen Atomreaktoren wie aber auch in der Solarthermie (hierzu finden sich am IKET aber kaum Aktivit├Ąten). Die Reaktork├╝hlung mittels der Blei-Wismut-Fl├╝ssigmetallk├╝hlung, wie sie hier im Kit entwickelt, kann nicht nur einen normalen Reaktor der neuen 4. Generation k├╝hlen, sondern ist vor allem auch f├╝r Atom-
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U-Boote-Reaktoren n├╝tzlich. Warum? Atom-U-Boote k├Ânnen heute nur wegen des K├╝hlger├Ąusches ihres Reaktors geortet werden. Die hier entwickelte Fl├╝ssigmetallk├╝hlung w├╝rde Atom-U-Booten eine ger├Ąuschlose Fortbewegung erm├Âglichen, kein Wunder, das bei den hier stattfindenden Fachvortr├Ągen die Milit├Ąrs dabei sind.
Wenn ihr Elektromobilit├Ąt h├Ârt, denkt ihr sicher an Elektroautos. U-Boote haben allerdings auch sehr gro├če und leistungsstarke Akkus an Bord, f├╝r die fortschrittliche Elektroantriebe ben├Âtigt werden. Dies gilt f├╝r mit Diesel, Wasserstoff-Brennstoffzellen (wie sie die deutsche U-Boot-Klasse 212 A einbaut) oder atomar angetriebene U-Boote. Das hier entstehende Wissen ist also immer auch milit├Ąrisch anwendbar.
Zum diesem Institut geh├Ârt auch die Nuklearschule von AREVA. Dieser Vertrag wurde 2013 nochmals verl├Ąngert. AREVA betreibt in Lingen eine Brennelementefabrik und forscht wie das KIT an Brennelementen f├╝r die Ř. Generation" von Atomkraftwerken.
Nur zur Klarstellung: Die 1. Generation ist abgeschaltet. Die zweite l├Ąuft noch bis 2022.
Die dritte ist mit finanziellem Riesenaufwand und st├Ąndiger Bauverz├Âgerung in Frankreich und Finnland im Bau. Und sie forschen an der Brennstoffentwicklung f├╝r eine neue Art von Reaktoren.
Die sich im Entwicklungsstadium befindenden Atomreaktoren der 4. Generation, die Flussigsalzreaktoren (Molten Salt Reactor, MSR, und dessen Weiterentwicklung Molten Salt Fast Reactor, MSFR), arbeiten mit Thorium als Brennstoff. Im SAMOFAR-Projekt (Safety Assessment of the Molten Salt Fast Reactor) ÔÇô im Rahmen des 2020 EURATOM- Forschungsprogramms arbeitet das KIT gemeinsam mit dem Joint Research Centre, auf
das ich gleich zu sprechen komme, an der Entwicklung neuer Brennstoffe. Alle bisherigen Atomreaktoren machen die Entnahme von waffenf├Ąhigem Material nahezu unm├Âglich. Beim Thorium-Flussigsalzreaktor ist die Materialeinspeisung und Entnahme mittels einer eingebauten Aufarbeitungsanlage fester Bestandteil des Reaktors! In einem Thorium- "Kreislauf" kann das atomwaffenf├Ąhige Uran-233 chemisch problemlos ohne Wiederaufarbeitungstechnologie abgetrennt werden. W├╝rde diese Atomtechnologie Wirklichkeit (die Chinesen bauen den ersten Reaktor derzeit), so w├Ąre der weltweiten Weiterverbreitung von Atomwaffen (bzw. Atomwaffenmaterial) T├╝r und Tor ge├Âffnet.
Das zweite, finanziell am besten ausgestattete Institut hier am Ort dient der Fusionsforschung. Beim internationalen Forschungsprojekt ITER und auch bei anderen Gro├čprojekten zur Kernfusion hat das KIT einen gro├čen Fu├č in der T├╝r so der Leiter des Instituts, Prof Dr. Stieglitz. Herr Stieglitz hat auf einem Vortrag in der Uni vor wenigen Monaten zur milit├Ąrischen Seite ÔÇô sprich Wasserstoffbombe ÔÇô gesagt (sinngem├Ą├č): ÔÇ×Mich st├Âren bei den Konferenzen vor allem die vielen Menschen mit einheitlicher Kleidung, die oft aus olivgr├╝nen Fahrzeugen steigen.“ Klar ÔÇô er meinte das Milit├Ąr aus USA und Russland, die auch am ITER-Projekt beteiligt sind und die eigentlich nur die Weiterentwicklung der Wasserstoffbombentechnologie im Auge haben.
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Und nur noch ein paar Worte zum Joint Research Centre. Im ehemaligen Europ├Ąischen Institut f├╝r Transurane (ITU), heute eben Joint Research Centre (JRC), sind hier in Karlsruhe seit 2017 alle Atomaktivit├Ąten der EU zusammengef├╝hrt worden. 400 Mitarbeiterinnen aus ganz Europa dienen nach eigenen Aussagen der "Sicherheitsforschung". Das JRC hat von der gr├╝nen Landesregierung Baden-W├╝rttemberg den Neubau eines alle Atomaktivit├Ąten fassenden neuen Fl├╝gels M genehmigt bekommen. Verbunden war dies mit einer Umgangsgenehmigung ├╝ber 550 Kilogramm Thorium, dar├╝ber hinaus f├╝r 80 Kilogramm Plutonium sowie ├╝ber mehr als 1.600 Kilogramm Uran, davon auch 50 Kilogramm waffenf├Ąhiges Uran-233, usw. usw. F├╝r die Arbeit als "Atomdetektive", wie sie sich gern bezeichnen, w├╝rden jeweils wenige Gramm ausreichen. Daher stellt sich die Frage, wof├╝r diese gro├čen Mengen radioaktiven Materials ben├Âtigt werden. Fr├╝her bauten sie viele Brennst├Ąbe. Heute bauen sie kleine "Brennst├Ąble", um die Nukleid-Zusammensetzung verschiedener Art zu testen, um sie auch f├╝r die Reaktoren der 4. Generation ÔÇô vor allem eben in dem Thoriumfl├╝ssigkeitssalzreaktor ÔÇô einsetzen zu k├Ânnen. Es scheint die GR├ťN- gef├╝hrten Landesregierung nicht zu st├Âren, dass Brennst├Ąble mit neuem Brennstoffgemisch hier erzeugt, weggefahren, irgendwo bestrahlt, wieder hierhergebracht und wiederaufgearbeitet werden und dass dabei auch Plutonium ├╝ber den Kamin abgegeben wird. Sie hat ihnen nur die Entwicklung/Planung eines Atomreaktors untersagt ÔÇô aber das wollten sie ja nie.
(Nicht Teil der Rede ÔÇô Auszug aus der Genehmigung:
Die Antragstellerin erkl├Ąrt, dass ... im Institut f├╝r Transurane im Zusammenhang mit
zuk├╝nftigen Reaktorsystemen - zum Beispiel "Generation IV" - nur Forschungsarbeiten durchgef├╝hrt werden, die sich ausschlie├člich auf sicherungs- und sicherheitsrelevante Fragestellungen im Hinblick auf den Einsatz von Kernbrennstoffen in diesen Reaktorsystemen und den dazugeh├Ârigen Brennstoffkreisl├Ąufen, nicht aber auf Entwicklungsarbeiten f├╝r diese Reaktorsysteme beziehen.)
Ihr aktuelles Forschungsprojekt ist SAMOFAR ÔÇô Safety Assessment of the Molten Salt Fast Reactor SAMOFAR ist eines der gro├čen Forschungs- und Innovationsprojekte des Euratom- Forschungsprogramms 2020. In diesem Projekt geht es eben genau um einen neuen Reaktortyp, den Fl├╝ssigkeitssalzreaktor (der Molten Salt Fast Reactor MSFR), der, einmal mit Uran oder Plutonium in Gang gesetzt, als Brennstoff aber mit Thorium betrieben wird und dabei, wie ich es schon geschildert habe, eben waffenf├Ąhiges Uran erbr├╝tet. Und das w├Ąre der ultimative Reaktor f├╝r alle L├Ąnder, die nach der Atombombe gieren. Dazu geh├Ârt neben der T├╝rkei vor allem auch Saudi-Arabien.
Die "Freiheit der Wissenschaft" und die vielgepriesene "Autonomie" des KIT zeigen an diesem Ort ihre h├Âchst zweifelhafte und gef├Ąhrliche Seite: eine Wissenschaft, die unter dem Deckmantel der Sicherheitsforschung milit├Ąrischen Anwendungen in die H├Ąnde spielt und der Proliferation von Atomwissen Vorschub, leistet. Dies muss beendet werden.

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